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Untergeschobene Trachten

Was sind untergeschobene Trachten und wie entstehen sie?

Im Idealfall wünscht man sich, dass Zehenwand und Trachtenwand parallel zueinander verlaufen (blau). Bei untergeschobenen Trachten werden die Trachten zu lang, halten der Belastung, die auf sie wirkt, nicht stand und legen sich um. Die Trachtenhöhe (orange) ist also sehr gering, obwohl die Trachten (rot) sehr lang sind. Häufig heißt es dann: der hat keine Trachten, ob wohl sie eigentlich viel zu lang sind. Schieben die Trachten unter, bekommen auch die Hornröhrchen der Seitenwand eine Tendenz Richtung Zehe, stehen nicht mehr optimal zum Boden und schieben bis in die Zehe. Die Zehenwand verbiegt sich (Lila) , wird lang und der Abrollpunkt für das Pferd wird, je länger an der Hufsituation nichts geändert wird, immer schlechter und der hintere Hufbereich bekommt immer mehr Druck, wodurch sich die immer länger werdenden Trachten immer mehr umlegen. Der Huf im Gesamten wird immer flacher....

 

Schaut man sich Pferdehufe an, haben viele Pferde mehr oder weniger untergeschobene Trachten. Die Gründe können vielfältig sein, wobei wir es ganz wichtig finden, dass das Bewusstsein da sein muss, dass die Trachten unterschrieben, damit der Hufbearbeiter gezielt dagegen arbeiten kann.

 

Ein Teil der Ursache liegt aber auch in den Genen. Gerade ganggewaltige Pferde mit weicher Fesselung überlasten den hinteren Hufbereich gerne durch ihre Bewegungen und die Kräfte, die dadurch auf den Huf wirken. Aber auch die Hufbearbeitung/der Beschlag tragen ihren Teil dazu bei, dass sich die Hufsituation verbessert/verschlechtert. Gerade wenn sich Pferde gerne Eisen abtreten, werden die Eisen immer kürzer und enger gelegt, wodurch den Trachten Unterstützungsfläche fehlt und sie zum unterschieben neigen. Aber auch die Haltung (denkt mal an hoch gehängte Heunetze), die Nutzung (bei der Landung nach dem Sprung wirken große Kräfte auf den hinteren Hufbereich, je nach Boden), Fehlbelastungen durch das Pferd selbst.... tragen ihren Teil zu der Hufsituation bei.

Was passiert, wenn die Trachten immer weiter unterschieben und wie wird dieser Vorgang gestoppt/die Hufsituation verbessert?

Schieben die Trachten immer weiter unter, sind diese zu lang und bekommen zu viel Druck. Dadurch schieben sie Richtung Zehe, wodurch diese ebenfalls nach vorne schiebt. Der Huf wird mit der Zeit immer flacher und der Druck im hinteren Hufbereich immer größer. Häufig entwickelt sich ein Trachtenzwang, der auch den Strahl schädigt und schwächt.

 

Dies zu korrigieren kann langwierig sein und ob sich ein Huf vollständig erholt, hängt von vielen Faktoren ab. Je älter ein Pferd ist und je länger diese Hufsituation vorherrscht, umso schwieriger wird eine Korrektur.

 

Grundsätzlich ist die Idee bei untergeschobenen Trachten, unabhängig davon, ob barhuf oder mit Eisen, dass die Trachten gekürzt werden (orange), auch wenn es erst einmal klingt, als würde der Huf dadurch noch flacher werden. Das alleine reicht aber nicht: die Seitenwände dürfen nicht zu lang sein und die Zehe muss nach und nach zurückgesetzt werden (türkis), damit der Huf die Möglichkeit hat, seinen Schwerpunkt zu verändern und sich nach und nach aufzurichten (blau).

 

Auch wenn sich viele Hufe mit unerschiebenden Trachten verbessern lassen, bleibt häufig die Tendenz dazu weiterhin bestehen. Wenn man bedenkt, dass ein Huf ungefähr 1 Jahr braucht, bis die Hufwand 1x herunter gewachsen ist, kann man erahnen, dass es dauert, bis ein deutliches Ergebnis zu sehen ist.

 

Zu den Ausführungen ist zu sagen, es ist die Idee, wie dem Problem entgegengewirkt werden kann. Zum einen führen viele Wege nach Rom, zum anderen wollen und können wir keine Anleitung liefern, wie ein Huf zu bearbeiten ist, um das Problem zu lösen. Letztendlich muss immer vor Ort der Fachmann am Pferd entscheiden.

Was können untergeschobene Trachten für Folgen haben?

Lange Trachten alleine sind nicht der Grund, dass sie unterschrieben. Pferde mit untergeschobenen Trachten belasten den hinteren Hufbereich vermehrt. Dadurch ist dieser überlastet, die Trachten schieben unter und es entsteht noch mehr Druck im hinteren Hufbereich. Die Hufstellung wird nach und nach flacher, der Huf wird schmaler und enger (gelb) und der Abrollpunkt immer ungünstiger. So befindet sich der Huf in einem Teufelskreis. Kommen dann noch kurze und eng gelegte Eisen, sowie zu lange Intervalle zwischen den Bearbeitungen dazu, verschlechtert sich die Hufsituation immer weiter. In so einem Fall sollte das Intervall zwischen 2 Bearbeitungen auf keinen Fall länger als 6 Wochen sein, gerade zu Anfang lieber weniger.

 

Der Strahl bekommt seitlich zu viel Druck und wird eingeengt, wodurch der nach und nach verkümmert und keinen Bodenkontakt mehr hat. Er dient nicht mehr als Platzhalter zwischen den Trachten. Diese schieben dann nicht nur Richtung Zehe, sondern werden auch im Strahlbereich immer enger. Ein geschwächter Strahl ist sehr anfällig für Strahlfäule, was die Gesamtproblematik noch verschlimmert.

 

Im hinteren Hufbereich findet durch den Hufmechanismus viel Bewegung statt. Zu lange, unterschriebende Trachten und ein geschwächter Strahl, sorgen dafür, dass der Hufmechanismus nicht mehr uneingeschränkt arbeiten kann.

 

Die Hufrolle im hinteren Hufbereich bestehend aus Strahlbein, dem unteren Teil der tiefen Beugesehne und dem Hufrollenschleimbeutel kann empfindlich auf zu viel Druck sein, der durch zu lange, unterschiebende Trachten verursacht wird. Entzündungen und Lahmheiten können die Folge sein.

 

Auch wenn diese Problematiken nicht schön zu reden sind, heißt es nicht, dass jedes Pferd, was zu untergeschobenen Trachten neigt, alle Probleme haben muss. Trotzdem macht es natürlich Sinn, mit dem Hufbearbeiter vor Ort zu schauen, wie sich die Hufsituation für das entsprechende Pferd verbessern lässt.

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