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Von Zuhause - Herbstein: Teil 1 Die Unterkünfte

In der letzten Septemberwoche war geplant, dass ich mit den Blondies von Zuhause nach Herbstein reite und Thorsten mit Anhänger und Hund nachkommt. Erst dachte ich an einen chronologischen Bericht, da es aber vor allem eins war, nämlich nass, habe ich dieses Vorhaben verworfen und werde euch thematisch berichten, das ist vermutlich interessanter.

Die Unterkünfte wollte ich relativ knapp fest machen. Auch wenn nicht viele Wanderreitstationen auf der Strecke waren, wir keine riesen Umwege gehen konnten, weil es sonst deutlich mehr Kilometer geworden wären, spucke Google auf Anhieb genügend Reitställe aus, bei denen man anfragen konnte, ob sie 2 Boxen und ein Plätzchen für mich für eine Nacht hätten. Ich habe einen guten Schlafsack und eine Gewebeplane dabei und bin für mich völlig anspruchslos. Wichtig ist mir aber die Unterbringung der Blondies. Weil Layla schon einmal von einer Wiese trotz Stromzaun verschwunden war und wir 5 Stunden gesucht haben, schlafen die Blondies in fremder Umgebung in Boxen, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Heu satt sollte es auch geben.

 

 

Im letzten Winter hatten wohl einige Ställe mit Drusefällen zu kämpfen und wollten entweder gar keine fremden Pferde aufnehmen oder nur mit Gesundheitszeugnis. Also hatten die Blondies noch kurz vor knapp ein Date mit unserer Tierärztin, die ohne Beanstandungen das Gesundheitszeugnis ausstellte. Nach vielen Telefonaten, aufsteigender Verzweiflung meinerseits, ob unsere Tour an den Unterkünften schon vor Start scheitern würde und einigen Tipps von Ortskundigen, wer noch Platz im Stall haben könnte, konnte es dann los gehen. 

Die erste Nacht verbrachten wir bei Kundschaft (vielen lieben Dank nochmal dafür) von Thorsten. Sie haben Landwirtschaft, selbst Pferde und ein paar Einsteller. Da die Pferde aber noch auf der Weide waren, war im Stall Platz für die beiden Blondies. Sie teilten sich eine große Box. Ich durfte im Gästezimmer schlafen, bekam Abendessen und Frühstück und konnte die Dusche nutzen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass das auf meiner Tour eine Seltenheit sein würde und genoss die heiße Dusche dementsprechend.

In der Nacht darauf waren wir auf einem Gangferdegestüt. Wobei mein erster Gedanke an Gangpferde immer die Isländer sind. Dort waren die Rassen bunt gemischt, Isländer, Pasos, Aegidienberger…. Auf jeden Fall auch mal interessant, wobei ich gleich feststellte, dass die Gangpferdewelt scheinbar eine andere ist, als ich sie kenne. Die Leute waren zu Beginn sehr reserviert, nicht unfreundlich, aber doch kühl und ich kam mir vor wie ein Eindringling. Die Blondies verbrachten die Nacht zusammen in einer großen Box mit ausreichend Heu. Abends wurde ich gefragt, was die beiden an Kraftfutter bekommen. Als die Antwort „Hafer“ war, kam gleich: „Wir haben auch Müsli für dicke Pferd“, wofür sie sich entschuldigte, als sie die beiden gesehen hatte. Denn die beiden sind alles aber nicht dick und wer läuft, darf auch fressen. Ich verbrachte die Nacht im Reiterstübchen, an das Toilette mit Waschbecken und eine kleine Küche angeschlossen waren. Morgens nach dem Aufstehen machte ich mich auch zeitig auf den Weg. 

Die dritte Nacht war ich in einem typischen Reitvereinsstall mit Sportpferden. Die Anlage war sehr gepflegt und der vorhandene Platz bestmöglich ausgenutzt, aber dadurch, dass der Reitverein sehr städtisch lag, war nicht unbegrenzt Platz vorhanden. Die Blondies schliefen in vergitterten Boxen mit Fenster und mehr als genug Heu. Ursprünglich war geplant, dass ich im Büro oder in der Sattelkammer schlafen könnte, was für mich auch vollkommen in Ordnung gewesen wäre. Eine liebe Einstellerin klärte aber kurzerhand, dass ich im Reiterstübchen auf dem Palettensofa schlafen konnte. Toilette und Waschbecken konnte ich dort auch mitbenutzen. Die Leute waren von Anfang an super nett und total interessiert, weil sie sich irgendwie nicht vorstellen konnten, wie so eine Strecke alleine mit 2 Pferden zu schaffen war, wo die meisten Reiter dort nur Reithalle und -platz kannten. Das Highlight war glaube ich dort, dass sie total erstaunt waren, was alles mit muss, bzw. an die Pferde, bis es wieder los gehen konnte: Hufschuhe für 2 Pferde, 2 Sättel, große Packtaschen mit dem Gepäck, kleine Packtaschen mit Essen und Trinken für über Tag, eine kleine Packtasche vorne quer für Powerbank, GPS…, die Planenrolle mit Schlafsack, mein Reitregenmantel… Lustig war auch, als ich relativ früh im Schafsack lag und gerade eingeschlafen war die Durchsage im Hallenbad nebenan. Ich saß senkrecht im Schlafsack, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.

Die letzte Nachte verbrachte ich dann auf einer Wanderreitstation, dem Frondelhof und ich muss sagen, es war die schönste Nacht überhaupt. Hätte es nicht so unfassbar viel geregnet, wäre es noch schöner gewesen. Die Blondies waren in vergitterten Boxen mit Heu und Hafer sicher verstaut und konnten vorher noch ein bisschen frisches Grün vorm Stall fressen. Sie hätten noch länger auf dem mit Panels abgetrennten Stück Wiese bleiben können, hätte Layla nicht angefangen, die Schafe auf der anderen Seite vom Zaun anzupöbeln. Das war mir dann doch zu heiß und es ging in die Boxen. Auf der Wanderreitstation war absolute Einsamkeit, super toll. Im Bauwagen war ein 140cm breites Hochbett und ein Ofen, wobei der Ofen nicht in Betrieb musste, so kalt war es nicht. Im Container hinter dem Bauwagen war in der linken Hälfte eine Dusche, für die man theoretisch Wasser mit Solarpanels warm machen konnte. Mangels Sonne verzichtete ich aber auf eine Dusche. In der anderen Hälfte es Containers ist eine Campingtoilette und ein super süßer Waschtisch und richtig warm waschen und dann ins Bett kuscheln klang nach 2 Nächten mit Katzenwäsche und ohne duschen sehr verlockend. Zwischenzeitlich war es dunkel geworden. Also stand ich splitterfasernackt vor dem Waschtisch mit heißem Wasser in der Waschschüssel und Stirnlampe auf dem Kopf. Ich fühlte mich wie der größte Held, heiß waschen, anziehen, ab ins kuschelige Bett. Im Verhältnis zu den letzten beiden Nächten der reinste Luxus. Am nächsten Morgen stellte ich dann fest, dass ich mir die Stirnlampe hätte sparen können und stattdessen einfach den Lichtschalter hätte betätigen können. Die Nacht im Hochbett war auf jeden Fall sehr kuschelig. Unterm Dach des Bauwagens war es schnell warm und das Prasseln des Regens hatte irgendwie etwas Beruhigendes, aber gegen morgen hätte es ruhig trocken werden können. Nach einem reichhaltigen Frühstück und Tipps für die noch zurückzulegende Strecke ging es dann im Dauerregen los zur letzten Etappe vor unserem Ziel.

In Herbstein angekommen waren die Blondies die nächsten Tage beim dortigen Reitverein untergebracht mit der Möglichkeit tagsüber das Paddock zu nutzen. Also ging Almi ganztags auf`s Paddock, Layla und ich hatten am Extremtrail einen 2-tages Kurs. Thorsten und ich hatten eine Ferienwohnung mitten in Herbstein. Nach ein paar Tagen ohne Luxus weiß man eine heiße Dusche erstmal richtig zu schätzen.

 

 

Unterm Strich waren meine Übernachtungsmöglichkeiten sehr verschieden, die Blondies hatten immer eine Box und Heu satt. Ich finde es immer extrem spannend, Einblicke in verschiedene Ställe zu bekommen und auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich alleine mit 2 Haflingern der Exot bin, ist es immer wieder schön.

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